Ein Blick auf die technischen Daten der Handykamera reichen als Beweis dafür, dass Sony Ericsson die Fotoqualitäten beim W380i sicherlich nicht in den Entwicklungsfokus gestellt hat. Gerade einmal 1,3 Megapixel werden auf 1280x1024 Bildpunkte verteilt, Blitz und Autofokus fehlen. Damit ist die kleine Handycam etwa so weit von den aktuellen Spitzenmodellen entfernt, wie ein Trabbi von einem DTM-Rennboliden. Die Einstellungsmöglichkeiten orientieren sich ebenfalls an der unterdurchschnittlichen Optik und haben mit Funktionen wie dem Nachtmodus, einer auf VGA-Auflösung reduzierten Bilderfolge oder den zwei wählbaren Effekten allenfalls Alibicharakter. Dennoch können sich die Ergebnisse für die geringe Auflösung sehen lassen und bieten erstaunlich satte Farben. Von Bildschärfe oder gar Detailreichtum zu sprechen, wäre allerdings übertrieben.
Hinzu kommt, dass geschossene Bilder zumindest bei unserem Testgerät allesamt leicht nach rechts gedreht in den Speicher gebannt werden, was zwar auf dem Display nicht auffällt, dafür aber hinterher auf dem heimischen Monitor. Dank der kurzen Auslösezeit ist die W380i-Kamera aber für Schnappschüsse gut geeignet. Eine Videofunktion unterschlägt Sony Ericsson ganz.
Foto: AMB | Sony Ericsson W380i Originalaufnahme
Auch als Einsteigermodell will das W380i als vollwertiges Musikhandy verstanden werden. Intern greift es dabei gerade einmal auf 14 Megabyte internen Speicher zurück und auch die per M2-Speicherstick mitgelieferten 512 Megabyte sind nicht unbedingt das Nonplusultra. Zum Glück kann man größere Karten für mittlerweile wenig Geld kaufen, doch Vorsicht: mehr als zwei Gigabyte schluckt das Handy nicht.
Dafür trumpft das Klapphandy mit großformatigen Musiktasten auf, die auch eine Bedienung im geschlossenen Zustand ermöglichen. Sie sind als wärmeempfindliche Sensortasten ausgelegt und verlangen so kaum Druck. Die "blinde" Bedienung in der Hosentasche ist aber problematisch, da man die Taste auch schon drückt, sobald man sie erfühlt hat. Um unbeabsichtigtes Drücken zu verhindern, installierte Sony Ericsson am Klappscharnier des W380i einen mechanischen Schiebeschalter, der eine Tastensperre aktiviert.
Die Bedienung beschränkt sich im geschlossenen Zustand auf das Starten, Stoppen, Skippen und Spulen von Liedern, jede Berührung der Sensortasten gibt ein kurzes taktiles Feedback in Form einer Vibration. Zusätzlich kann der Nutzer die Lautstärke über die seitliche Tastenwippe regulieren. Beim Musikhören ist das einzeilige Außendisplay nur bedingt hilfreich, da Songtitel- und Interpret als Laufschrift angezeigt werden.
Da Sony Ericsson leider nach wie vor auf einen Fastport zum Anschluß der Kopfhörer setzt, passt das Handy bei eingestöpseltem Headset nicht mehr in jede Hosentasche. Der Anschluß wurde ungünstig auf der linken Seite platziert, sodass das W380i nach dem Anschluss des klobigen Steckers etwa einen Zentimeter breiter wird.
Dank A2DP-Bluetooth kann man auch auf lästige Kabel und Ausbeulungen verzichten. Wir testeten das mit dem Motorola S9. Die Verbindungsaufnahme klappt problemlos, allerdings wird jeder Liedwechsel mit einem kurzen Störgeräusch quittiert. Dafür ist die Verbindungsqualität auch auf mehrere Meter gut, weder eine Innenwand noch der Transport in der Hosentasche führte zu Aussetzern. Kleines Manko am Rande: bei der ersten Verbindungsaufnahme mit dem Bluetooth- Headset spielte das W380i Musik trotz bestätigter Verbindung vorerst über den Speaker ab, erst nach einem Liedwechsel erfolgte die Umstellung auf die Bluetooth-Wiedergabe.
Aufgeklappt ist der Musikplayer nicht durch eine separate Taste erreichbar, allerdings ist die obere Bewegungsrichtung des NavKeys mit dieser Funktion belegt, die auch das bekannte Walkman-Symbol ziert. Nach der Betätigung dieser Taste landet man nicht in der Musikbibliothek, sondern direkt im Player. Wer auch beim kleinsten Spross der Walkman-Reihe ein animiertes Einstiegsmenü mit Auswahlmöglichkeiten wie Playlists oder Favoriten ala W960 oder W890 erwartet hat, wird enttäuscht. Statt einer atmosphärisch dichten Bedienoberfläche erwartet den W380i-Nutzer eine überaus schlichte Optik.
Mit seinen basisorientierten Songinformationen wie Titel, Interpret und Albumname und vor allem dem geradezu winzigen Coverart kommt der Musikplayer mehr als spartanisch daher, verspielte Flashanimationen sucht man vergeblich. Einzige Möglichkeit, etwas Pepp in die Sache zubringen, ist der Wechsel der Hintergrundfarbe von Schwarz auf Weiß oder Orange, der unter dem hochtrabend klingenden Menüpunkt "Skins" bewerkstelligt werden darf. Diesen und andere Unterpunkte erreicht man über den rechten Softkey. Unter dem Punkt "meine Musik" gelangt man zur Musikbibliothek, in der auch eigene Playlists angelegt werden können. Sortiermöglichkeiten sind kaum vorhanden, Songs lassen sich lediglich nach Interpret oder Album ordnen.
Auch der Equalizer enttäuscht. Zwar hat man die Wahl zwischen fünf vorgefertigten Klangeinstellungen, darunter das herstellereigene Glanzstück "Mega Bass" - selbst Hand anlegen darf man allerdings nicht. Alles in Allem ist das ein aufs Wesentliche reduziertes Ausstattungspaket, das allenfalls die Grundfunktionen eines MP3-Players bietet. Auch bei den gebotenen Musikformaten MP3, AAC, AAC+ und AAC++ wird das W380i heutzutage selbst von billigen MP3-Playern übertrumpft. Das Microsoft-Format WMA wird nicht unterstützt.
Kann wenigstens der Klang mithalten? Bedingt. Wie von der Walkman-Reihe gewohnt dröhnen beim W380i die tiefen Frequenzen geradezu bomBASStisch in den Ohren, doch mit zunehmender Lautstärke stößt das mitgelieferte Kabelheadset an seine Grenzen. Musik klingt schon bei moderaten Pegeln leicht matschig und kratzig. Zusätzlich beginnt das Headset im oberen Lautstärkedrittel, starke Volumenunterschiede zwischen lauten und ruhigeren Musikteilen eines Stückes zu produzieren, da es den vollen Sound nicht aufrecht halten kann. Da hilft nur noch der Tausch gegen Zubehörheadsets. Ein anderer Störfaktor lässt sich damit allerdings nicht beheben: bei jedem Liedwechsel die erste halbe Sekunde jedes Stückes mit deutlicher verminderter Lautstärke abgespielt wird.
Das Radio bietet mit Sendersuchlauf, 20 Speicherplätzen und RDS wesntlich mehr Komfort als der Musikplayer. Highlight ist dabei die TrackID, die auf Wunsch kurze Liedschnipsel mitschneidet und sie online mit der Gracenote-Datenbank abgleicht, um anschließend Informationen zum gehörten Stück zu liefern. Die Lautstärke fällt beim Radio etwas niedriger als beim Musikplayer aus.
Dennoch können Sound und auch Empfang - angeschlossenes Kabelheadset vorausgesetzt - überzeugen und stellen eine gelungene Alternative zum kargen Player dar. Eine interne FM-Antenne wie beim kommenden W980 kann das W380i noch nicht vorweisen. Auf dem Außendisplay wird beim Radiohören leider nicht der Sendername, sondern nur die Frequenz angezeigt. Den Wechsel zwischen den gespeicherten Sendern erlauben die externen Tasten nur bei längerem Druck, die einfache Betätigung der Skip-Tasten verändert lediglich die Frequenz. Diese Umkehrung der Playersteuerung bedarf nicht nur der Umgewöhnung, sondern ist einfach unpraktisch und unnötig. top
Tja, das Innendisplay erinnert leidvoll an die Cybershot- und Walkman-Veteranen (?* la K750, W810)... So etwas ist im Jahr 2008 nicht mehr zeitgemäß!
Kein Kommentar, nur eine Frage: Wieviel bekommt man von Nokia dafür, dass man so einen Bericht verfasst?