Nokia hat sich bislang Zeit gelassen. Andere Hersteller wie Samsung mit dem Soul und dem F480 oder Sony Ericsson mit der G-Serie waren schneller bei der Markeinführung ihrer im Februar auf dem Mobile World Congress 2008 vorgestellten Geräte. Jetzt starten die Finnen mit dem N78 durch. Wir zeigen, ob sich das Warten gelohnt hat.
Ein Nseries-Handy kann eine ganze Menge, da erwartet man auch den entsprechenden Lieferumfang. Extras gibt es aber nur wenige. Herausragendstes Merkmal ist die zwei Gigabyte fassende microSD-Karte, der Rest ist Standard. Dazu gehört die Daten-CD mit der aktuellen PC-Suite, ein Handbuch, ein kabelgebundenes Standard-Headset, Lade- und Datenkabel. Irgendwie farblos, doch andere Hersteller machen es auch nicht besser. Etwas mehr Esprit und Individualität hätten wir uns allerdings gewünscht.
Wer das Design des N81 mochte, wird mit dem neuen N78 zufrieden sein, denn das wirkt wie die Barrenausgabe des erstgenannten Handys. Dabei ist es nur in der Länge auf 113 Millimeter gewachsen, Breite und Höhe sind mit 49 und 15 Millimetern geschrumpft. Auch beim Gewicht hat Nokia gespart: mit 102 Gramm wiegt es fast 40 Gramm weniger als die acht Gigabyte-Variante des N81, auch zum Vorgänger N73 sind es 15 Gramm weniger. Die kompakten Maße und das geringe Gewicht beeindrucken, schließlich steckt im N78 deutlich mehr Technik.
Die Front wird von schwarzem Klavierlack dominiert, auch die Anordnung von NavKey und Sondertasten unter dem Display entspricht beinahe exakt dem N81 und wird auch zukünftige Modelle des Herstellers zieren. Geändert hat sich nur deren Größe. Durch das Schrumpfen des zentralen Steuerorgans wirkt das N78 in Kombination mit den kompakteren Maßen gefälliger, auch wenn es in Wirklichkeit weit davon entfernt ist, als leicht oder gar klein durchzugehen.
Hinzu gekommen ist eine Tastatur, die sich nicht mehr wie bei dem Slider N81 erst nach dem Aufschieben offenbart, sondern nun den Platz unterhalb der NavKey-Einheit einnimmt. Doch die ist derart filigran ausgefallen, dass man den untereinander angeordneten vier hauchdünnen Kunststoffbändern bei inaktiver Tastaturbeleuchtung beinahe keine Bedeutung zumessen würde. Dazu später mehr.
Wie beim N81 ümläuft ein bronzefarbenen Kunststoffband alle vier Handyseiten und beherbergt die Kamerataste und den 3,5 Millimeter-Kopfhöreranschluß. Auffällig ist die Anordnung der Stereolautsprecher, denn an der linken Seite wandert der Krawallmacher ganz nach unten, während er rechts ganz oben neben dem Display verbleibt.
Der Mini-USB-Anschluss findet seinen Platz nun nicht mehr an der Fußseite, sondern direkt neben dem Steckplatz für die microSD-Speicherkarte auf der linken Handyseite. Wer den mechanischen Schieberegler für die Tastensperre auf der Stirnseite des N81 mochte, muss nun ohne auskommen. Die Rückseite hat nur leichte kosmetische Veränderung erfahren. Hinzugekommen ist lediglich die filigrane Strukturierung des dunklen Kunststoffes und der dezente Hinweis auf der Kameraeinfassung, dass nun eine Carl Zeiss-Optik mit 3,2 Megapixeln ihre Arbeit im Inneren verrichtet.
Auch am Aretiermechanismus des rückwertigen Akkudeckels hält Nokia zum Leidwesen derer fest, die schon beim N81 immer Angst hatten, den etwas fragil wirkenden Kunststoff zu zerbrechen. Er weist nach wie vor eine Aussparung für die Kameralinse auf, durch die Staub und Sand leicht ins Gehäuseinnere vordringen können. Wie beim N81 sitzt er zudem nicht passgenau auf dem Rest des Gerätes und lässt sich bewegen, was zu leichten Knartzgeräuschen führt. Doch wir wollen nicht christlicher sein, als der Papst: selbst wenn die Verarbeitungsqualität nicht hervorragend ist, steckt das N78 das N81 und andere Nokia-Handys in diesem Punkt locker in die Tasche.
Beim Einlegen der microSD-Karte braucht man hingegen keine Angst haben, irgendetwas abzubrechen. Die Abdeckung des Einschubes wirkt ausreichend wertig und gewährleistet einfaches Öffnen und Schließen. Ebenso wenige Probleme dürften beim Einlegen der SIM-Karte entstehen. Nokia nimmt beim N78 Abstand von dem wackelig wirkenden Kartenschlitten, auf den die SIM beim N81 gelegt wurde, um anschließend gemeinsam ins Gerät geschoben zu werden. Dieser umständliche und wenig vertrauenserweckende Mechanismus wurde nun durch einen einfachen Karteneinschub ersetzt. top
Das Display erscheint mit 6,1 cm Displaydiagonale (2,4 Zoll), 16,7 Millionen Farben und einer Auflösung von 240x320 Pixeln ausreichend bemessen, bietet aber keine Innovationen. Auch der große Betrachtungswinkel und ein Umgebungslichtsensor zur Optimierung der Display-Helligkeit und Reduzierung des Stromverbrauchs können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Tendenz zu immer größerer Bilddiagonale, höherer Auflösung und Touchscreen geht. Nur eben nicht beim N78. Im Vergleich zum gerade vorgestellten iPhone 3G wirkt der Minibildschirm unter diesen Umständen geradezu winzig. Dennoch verrichtet er seine Aufgabe sehr gut und bietet in Bezug auf Bildschärfe, Kontrast und Farbintensität keinen Grund zur Beanstandung. Dank Antialiasing wirken Schriften weich und flüssig, Treppchenbildung ist nicht zu verzeichnen. Durch die hohe Farbanzahl verlaufen Farbübergänge butterweich.
Wie bereits angesprochen vermittelt die extravagante Tastatur auf den ersten Blick kaum den Eindruck, als könne man auf ihr bedenken- und vor allem problemlos drauf los tippen. Tatsächlich ist deren Auslegung als schmale, zusammenhängende Kunststoffleiste für je drei Tasten und dem sehr knapp bemessenen Abstand zwischen den einzelnen Leisten nicht sehr ergonomisch ausgefallen. Dass das Tippen dennoch überraschend gut von der Hand geht, liegt an der scharfen Konturierung dieser Tastenbänder. Hinzu kommt ein knackiger, nahezu perfekter Druckpunkt mit kurzem Tastenhub, der das Schreiben auf den vertikal zu eng stehenden Tastenbändern wieder erträglich macht. So bleibt unter dem Strich als größter Kritikpunkt die unmögliche Erfühlbarkeit der einzelnen Tasten in der Vertikalen.
Gleiches Lob -diesmal ohne die Einschränkung wegen mangelndem Platz- gebührt auch dem Fünf-Wege-NavKey, der zwar kleiner als beim N81 ausfällt, aber wesentlich präziser ansteuerbar ist. Auch die Nutzung des NavKeys als Navi-Rad klappt trotz der geschrumpften Ausmaße des NavKeys, indem man den Daumen sanft auf ihm kreisen lässt.
Probleme sind weniger auf die Größe, als vielmehr auf die ungenaue Reaktion dieser Eingabeform zurückzuführen. Nicht selten kam es vor, dass durch das bestätigende Drücken des NavKeys der Sensor des Navi-Rades meinte, schnell noch eben ins nächste Menü springen zu müssen. Nervig. Ein simpler JogDial mag die technisch anspruchslosere Lösung zu sein, funktioniert bei der Konkurrenz aber deutlich besser als der hyperaktive Berührungssensor im N78. Die Extrataste für die Mediengalerie rechts des NavKeys punktet mit guter Unterscheidbarkeit vom rechten Softkey und der Beendentaste, in die sie integriert ist. Während beide Softkeys gut erreich- und bedienbar sind, stellen die rechts unten angeordnete Löschentaste und die links unten platzierte Menütaste den Nutzer besonders bei der einhändigen Anwendung vor größere Probleme. Da sie in die äußersten Ecken des Handys gerutscht sind, ist etwa als Rechtshänder die rechte Löschentaste nur von Daumenakrobaten verrenkungsfrei erreichbar.
Zusätzlich weisen beide Tasten einen sehr schwammigen Druckpunkt bei langem Tastenhub auf, dessen Auslöser erst dann erreicht ist, wenn man sie tiefer ins Gehäuse drückt, als das umrandende, bronzefarbene Kunststoffband hervorsteht. Ein Verarbeitungsmangel, der sich auch bei der Tastaturbeleuchtung fortsetzt. Sie ist zwar sehr leuchtstark ausgefallen und passt mit dem intensiven Weiß gut zum Design des N78, allerdings fällt an zahlreichen Stellen unbeabsichtigt Licht durch zu große Passungenauigkeiten zwischen Tasten und umgebender Gehäuseoberfläche.
OK was heißt das jetz.Ist der Sound bei den Lautsprecher und Headset in echt gut und nur bei den Testgerät schlecht oder gut?
thx
"Design ist Geschmackssache"
???? Sollte ein Testbericht nicht objektiv sein? Wieso bringt man dann so ein Punkt unter negativen Eigenschaften?!