Das Diamond ist in nahezu jeder Hinsicht herausragend ausgestattet, nur bei der Kamera hat HTC gespart. Man sollte sich von der blanken Pixelzahl nicht blenden lassen. 3,2 Megapixel sind zwar mittlerweile gehobener Handy-Standard, es fehlt aber an Features, die die Optik unterstützen. So ist die Diamond-Kamera mangels Blitzlicht bei schlechten Lichtverhältnissen unbrauchbar. Immerhin wird sie von einem Autofokus unterstützt, der sich sehr schnell auf sein Ziel scharf stellt. Die Bildqualität wird niemanden zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Bei unseren Aufnahmen legte sich oft ein leichter Schleier über das Foto, die Farben wirken dementsprechend blass. Mangels Bildstabilisator ist es auch schwer, Verwackler zu vermeiden und eine scharfe Aufnahme zu knipsen.
Foto: AMB | o2 Xda Diamond Originalaufnahme
Videos werden mit maximal 320x240 Pixel aufgenommen und wahlweise als H.263 oder MPEG4 codiert. Die Aufnahmelänge ist nur an den Speicher gekoppelt, wer also vier Gigabyte frei hat, kann mehrere längere Urlaubsvideos drehen. Die Qualität hält sich allerdings in Grenzen, da hilft auch die sehr hohe Framerate nicht mehr.
Viel spannender als die Qualität der Bilder ist die Bedienung der Kamera über den Touchscreen und die Darstellung der Bilder in der Galerie. Wenn man während der Kameravorschau auf das Display tippt, dann legt sich eine breite Leiste mit drei Menüpunkten transparent über den unteren Displaybereich. Der Tipp auf das rechte Systemrad-Icon blendet ein fein gerendertes Menü mit sechs fingerfreundlichen Einträgen ein. Hier kann der Hobbyfotograf nach Herzenslust zahllose Einstellungen wie Weißabgleich, Auflösung oder Helligkeit vornehmen. Ebenfalls hier aktivierbar: ein Selbstauslöser für Gruppenfotos. Ein Panoramamodus oder Serienbild-Aufnahmen, wie sie die meisten Kamerahandys mittlerweile bieten, sind bei HTCs Supersmartphone allerdings nicht mit an Bord. Ein Tool zur nachträglichen Bildbearbeitung fehlt ebenfalls.
Der Menüpunkt "Fotos und Videos" ist ein Erlebnis für sich. Die Fotos werden schräg eingeblendet, als ob sie am Kaffeetisch herumgereicht werden. Streicht man mit dem Finger darüber, dann flattert das nächste Bild herein, tippt man darauf, wird es als Vollbild angezeigt. Entsprechend der Ausrichtung des Smartphones wechselt es automatisch vom Hochformat ins Querformat. Ein Dreh am Navigationsrad zoomt das Bild stufenlos heran, ein Fingerstreich über das Display startet eine kleine Animation, in der das nächste Foto seitlich ins Display wechselt. Das gleiche gilt auch für Videos, die in einer hübschen Galerie angezeigt werden. Das Display ist groß genug, um die Bilder auch dem Freundeskreis direkt auf dem Smartphone zu zeigen. Die kleine Menüleiste, die sich transparent unter jedes Foto legt, wenn man im Vollbild-Modus darauf tippt, hält dafür die Funktion "Bildschirmpräsentation" bereit. Ein Tipp darauf, und das Diamond blättert automatisch in kurzen Intervallen und dezent animiert durch alle Fotos. Die Art der Übergänge und die Anzeigedauer bestimmt der Nutzer.
Alles bewegt sich flüssig und butterweich, Verzögerungen und Ruckler traten bei uns nicht auf. Und während man begeistert in der Galerie stöbert, vergisst man schnell, dass man es eigentlich mit einem trockenen Windows-Mobile Betriebssystem zu tun hat. HTC hat hier ganze Arbeit geleistet. top
Vier Gigabyte Speicher sollten auch den höchsten multimedialen Ansprüchen genügen. Nur, wer einen iPod mit 160 Gigabyte nutzt und ständig seine komplette Musiksammlung mit sich herum trägt, wird die Nase rümpfen. Schade ist, dass HTC auf einen Slot für microSD-Karten verzichtet. Neben der Speichererweiterung bieten sie nämlich auch den Vorteil, schnell Daten auszutauschen. Beim Diamond wechseln Dateien nur mittels USB/Bluetooth den Speicherort. Am einfachsten kopiert man die Musik mit dem Windows Media Player 11 auf das Smartphone. Dank des schnellen USB2.0-Ports ist ein Song in wenigen Sekunden im Smartphone gelandet. Und wenn man danach den Menüpunkt Musik antippt, dann freut man sich über eine moderne 3D-Optik, die stark an Apples Cover Flow erinnert.
Beim Abspielen von Musik kann man zwar auch den Windows Media Player Mobile nutzen, den man im Programme-Ordner findet. Der Player von HTC ist aber in jeder Hinsicht die bessere Alternative. Es beginnt schon mit dem Ausgangsbildschirm. In einer hübschen 3D-Perspektive wird das aktuelle Albumcover großflächig dargestellt, daneben findet man drei fingerfreundliche Buttons zum Pausieren oder Skippen der Tracks. Ein vertikales Streichen mit dem Finger ist aber die elegantere Variante, um von einem Song zum nächsten zu wechseln.
Mit einem Druck auf den Eintrag "Bibliothek" verlässt man zwar die imposante 3D-Ansicht, die vielen Listenmenüs, die man nun vorfindet, wirken im Gegenzug aber sehr übersichtlich und ermöglichen eine bequeme Musikauswahl. Hier trifft man die altbekannten Verdächtigen. Songs können nach Interpret, Album, Genre und sogar Komponisten gefiltert werden, eigene Wiedergabelisten lassen sich problemlos erstellen und verwalten. Ein Extra-Filter zeigt die im Internet-Shop gekaufte, DRM-geschützte Musik an, die vom Diamond neben MP3, AAC und WMA ebenfalls anstandslos wiedergegeben wird. Ein Fingerstreich genügt, und die Liste scrollt rasend schnell nach oben oder unten. Verzögerungen gab es kaum, einzig der Aufbau der Thumbnails für die Plattencover dauerte mitunter einige Sekunden.
HTC spendiert dem Smartphone sogar einen 10-Band Equalizer, bei dem man entweder auf eines der 20 Klangprofile (!) zurück greift, oder frei an den Frequenzbändern herum spielen kann. Er funktionert nur bei angeschlossenem Headset. Und da sind wie bei der größten Schwäche des schicken Diamond-Musikplayers angelangt. Die Lautstärke der Kopfhörer ist im Vergleich zu anderen Handys viel zu leise, und da sie über den miniUSB-Port eingestöpselt werden, kann man leider auch keine anderen anschließen. Der Klang ist trotz Equalizer immer zu dünn und höhenlastig.
Alternativ kann man das Radio einschalten oder seine Lieblings-Sendungen als Podcast anhören. Der vorinstallierte RSS Hub ist einer der besten Podcast-Clients, die derzeit erhältlich sind. Feeds und Podcasts lassen sich sogar als OPML-Datei importieren und exportieren - ein Feature, auf das man bei Nokias S60 Podcast-Client immer noch warten muss. Übersichtlich werden die einzelnen Kanäle angezeigt. Der Nutzer kann selbst bestimmen, in welchen Intervallen die Feeds abonniert werden sollen.
Der Client schluckt auch problemlos Video-Podcasts. Für
Videofreunde gibt es aber noch etwas viel besseres:
YouTube. Da der Browser kein Flash
darstellen kann, installiert HTC beim Diamond - genauso
wie Apple beim iPhone - einen speziellen Client, der die
gesamte Youtube-Palette beherrscht und sich sogar noch
viel einfacher bedienen lässt, als über einen
Internet-Browser. Bei einer HSDPA- oder WLAN-Verbindung
flitzen die Filme flüssig und fast ohne
Ladezeiten über den Bildschirm.
top
Glasklar in VGA-Auflösung und im bildschirmfüllenden Querformat: YouTube auf dem Xda Diamond | Foto: AMB
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.