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Nokia N96: Besser spät als nie

Im Oktober kommt das Nokia N96 endlich in Deutschland in die Läden, hat Areamobile.de erfahren. Es ist höchste Zeit, dass Nokias neues Flaggschiff auch bei uns vor Anker geht. Schon im Februar konnten wir auf dem Mobile World Congress mit funktionsfähigen Vorserienmodellen herumspielen, die den Eindruck erweckten, dass der Marktstart zum Greifen nah ist. Seit 3. September wird der mobile Minicomputer mit Telefonfunktionen und Fernsehempfang in Europa ausgeliefert, nur Deutschland muss immer noch warten.

Zurück in die Zukunft

Selbst in Indien kann jeder das Nokia N96 für 36.000 Rupien (526 Euro) kaufen, obwohl dort noch nicht einmal die UMTS-Frequenzen vergeben wurden, mit denen sich die Internet-Funktionen erst richtig gut nutzen lassen. Bei uns soll es 550 Euro ohne Mehrwertsteuer kosten. Für diesen Preis bekommt man das N96 mit Standardzubehör, das aus Ladegerät, Akku, USB-Kabel und Kopfhörern besteht. Der interne Speicher bietet mit 16 Gigabyte genügend Platz für Fotos, Musik und Videos. Er kann zusätzlich mit bis zu 8 Gigabyte großen microSD-Karten erweitert werden. Die 5-Megapixel-Kamera und ihre Optik von Carl Zeiss wurde vom Vorgänger übernommen, allerdings dienen jetzt zwei Leuchtdioden statt nur eine zum Ausleuchten von Fotos und Filmen. Videos werden mit VGA-Auflösung und 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen. Darüber hinaus verfügt das Nokia N96 über HSDPA, A-GPS und WLAN.

Nokia N96

Einsame Spitze? Das N96 führt Nokias Produktpalette an | Foto: Nokia

 

Nokia hat viel Zeit verloren. Die 16 Gigabyte des internen Speichers beim N96 erschienen zum Zeitpunkt der Produktankündigung vor sieben Monaten gigantisch. Doch heute steckt genauso viel Speicher in fast jedem zweiten iPhone 3G, von dem schon mehr als sechs Millionen verkauft wurden. Toshiba bietet seit August sogar einen Handy-Speicherchip mit 32 Gigabyte an. Die technische Entwicklung bleibt nicht stehen. Auch das breite Gehäuse des Nokia N96 mit seiner Klavierlack-Optik sah im Februar noch wie ein großer Fortschritt gegenüber dem Vorgänger Nokia N95 aus. Heute hat man sich an das Design gewöhnt, weil es auch beim Nokia N81, dem N85 und in abgewandelter Form sogar beim N78 verwendet wird. Die Tests bei Areamobile haben gezeigt, dass die Vorderseite dieser Modelle viel leichter verkratzt als beim Nokia N95.

Nokia N96 Live MWC

Nokia N96 und Nokia N95 im Vergleich | Foto AMB

 

Mit seinen 20 Millimetern ist das N96 außerdem zwei Millimeter dicker als das mächtigste Handy-Dickschiff der vergangenen Wochen. Dabei hat sich doch schon beim HTC Touch Pro ein Leser beschwert, dass es mit 18 Millimetern bei keiner Jeans in die Tasche passt. Das Samsung i8510 Innov8 bietet einen vergleichbaren Funktionsumfang und misst sogar nur 17,2 Millimeter. Im Gegensatz zur 5-Megapixel-Kamera des Nokia N96 bringt das Samsung-Smartphone gleich 8 Megapixel mit. Wieder ist ein Konkurrent an Nokia vorbeigezogen. Außerdem macht sich Nokia auch noch selbst Konkurrenz. Das N85 unterscheidet sich nur in Kleinigkeiten vom Nokia N96, es ist aber 100 Euro billiger. Ab Oktober kommt es in Deutschland in den Handel.

Nokia N96

Auf dem 2,8 Zoll großen Display kann man Filme schauen oder Fernsehen | Foto: Nokia

 

Fernsehstandard DVB-H bisher noch ein Rohrkrepierer

Die siebenmonatige Warterei auf das Nokia N96 könnte mit dem schleppenden Aufbau des mobilen Fernsehens zu tun haben. Als das Symbian-Smartphone in der Entwicklung war, machte sich Viviane Reding gerade für den Standard DVB-H stark, der auch im Nokia N96 verwendet wird. Die EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien wollte die Regierungen in Europa dazu verdonnern, attraktive Frequenzen für das Handy-TV bereitzustellen und die Nutzung von DVB-H zu fördern. Alle gingen davon aus, dass schon die Fußball-EM im Juni 2008 übertragen wird, und Nokia wollte das passende Fernseh-Handy liefern.

Daraus wurde leider nichts. Weltweit gibt es nur wenige Länder, in denen DVB-H ausgestrahlt wird, und in Deutschland war die Pleite am größten. Das Anbieter-Konsortium Mobile 3.0 löst sich auf und der Konkurrenz-Standard DVB-T ist ein Renner, für den alle Netzbetreiber passende Handys von LG ab 1 Euro anbieten. Nokia beliefert jetzt wahrscheinlich zu zuerst die Staaten mit dem N96, in denen mobiles Fernsehen mit dem Übertragungsstandard DVB-H angeboten wird. Deswegen kommt Deutschland zuletzt dran. In Österreich ist das Nokia N96 seit dem 11. September 2008 im Handel, dort gibt es 15 TV-Sender gratis beim Netzbetreiber Drei.

Nokia N96 Live MWC

Funktioniert leider nicht in Deutschland: Fernsehen über DVB-H | Foto: AMB

 

Fernsehen und Video sollen eindeutig die wichtigsten Funktionen des Nokia N96 sein. Deswegen hat es extra einen besonderen Bügel bekommen. Er umschließt die Kameralinse auf der Rückseite und lässt sich ausklappen, um das Smartphone schräg auf den Tisch zu stellen, damit man bequem Filme ansehen kann. Mit Kopfhörern, die sich an einem 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss auf der Oberseite des Doppelsliders anschließen lassen, wird das Nokia N96 sofort zum mobilen Tischfernseher. Wem das 2,8 Zoll große QVGA-Display dafür zu klein ist, der kann das Nokia N96 auch mit dem beiliegenden TV-Kabel an den Fernseher anschließen und das Video im größeren Format anschauen. Das sollte auch mit DVB-H funktionieren, wäre aber ziemlich sinnlos, weil das Handy-TV auf so großen Bildschirmen fürchterlich aussieht. In verschiedenen Ländern ist ein Kinofilm auf dem Nokia N96 vorinstalliert, der die beeindruckenden Qualitäten des Displays und der Stereo-Lautsprecher mit 3D-Klang demonstrieren soll.

Live MWC N96 Nokia

Mit dem Standfuß lässt sich das Handy anwinkeln | Foto: AMB

 

Das Nokia N96 dient auch als Videorekorder. Der Hersteller hat extra eine Aufnahmefunktion spendiert, mit der sich Sendungen unabhängig von der Zeit ihrer Ausstrahlung anschauen lassen. Außerdem hat Nokia das N96 DLNA-kompatibel gemacht. Durch diesen Standard der Digital Living Network Alliance (DLNA) kann es mit anderen elektronischen Geräten über WLAN oder Bluetooth kommunizieren. Fotos werden an Drucker geschickt, Filme werden auf Fernsehern angezeigt und Musik wird vom Handy über die Stereo-Anlage ausgegeben. Oder man kopiert neue Alben vom PC in den großen Speicher des Nokia N96. Die Verbindung zu anderen Geräten soll DLNA mit nur einem Knopfdruck herstellen können. Das ist ein vielversprechendes Konzept, doch bisher unterstützen nur wenige Geräte den Standard. Beispiele sind das Samsung Innov8, das auch im Oktober in die Läden kommt, und ein paar Stereoanlagen von Sony, die es auf der IFA zu sehen gab.

Bedienung über Doppel-Slider und S60

Der im Nokia N78 verwendete FM-Transmitter hat leider nicht mehr in das große Gehäuse des N96 gepasst. Dafür gibt es UKW-Radio mit RDS und Nokias gut sortierte Datenbank mit Internetradio-Stationen und den Podcast-Client. Für das Abspielen von Musik und Videos setzt Nokia wieder seinen interessanten Doppelslider-Mechanismus ein, den wir schon vom N95 kennen. Sobald man das Display nach unten schiebt, springt die Darstellung ins Querformat und am oberen Ende gibt das Nokia N96 seine Multimediatasten frei. Beim Druck auf Play wird sofort der letzte Song abgespielt, ohne dass man die MP3-Datei in dem Tiefen der Menüs suchen muss.

Die S60-Oberfläche des Symbian-Betriebssystems ist trotz ihres gewaltigen Funktionsumfangs sehr übersichtlich gestaltet und flexibel. Die unzähligen Ordner in den gut strukturierten Menüs lassen sich nach den eigenen Bedürfnissen ordnen und die Anzeigen auf dem Startbildschirm lassen sich mit eigenen Funktionen belegen. Mit Sondertasten, Softkeys und einer Multimedia-Taste wird der Weg zu besonders beliebten Applikationen verkürzt. Die Multimediatasten des Nokia N96 dürften nicht nur für die Musikwiedergabe praktisch sein, sondern auch für Spiele. Die N-Gage-Plattform von Nokia ist auf allen Geräten der N-Serie vorinstalliert und bringt Spiele wie Asphalt 3, EA Sports FIFA 08 oder Spore aufs Handy. Die Performance dürfte gegenüber den Vorgängermodellen noch einmal zugelegt haben.

Nokia N96

Das N96 taugt auch als mobile Spielekonsole | Foto: Nokia

 

Das Betriebssystem Symbian kommt auf dem Nokia N96 mit der Oberfläche S60 in der 3rd Edition und dem neuen Feature Pack 2 zum Einsatz. Dadurch können Flash-Videos von Youtube direkt im Browser angezeigt werden, ohne dass man eine externe Anwendung öffnen muss. Nokia Search erleichtert die Bedienung des Handys dramatisch: ein paar Tastendrücke genügen, um aus der Menge der E-Mails, Songs und SMS die gewünschte Information zu finden. Auch auf ausgewählte Internet-Suchmaschinen kann man direkt vom Standby-Screen aus zugreifen.

GPS auch für Fußgänger

Durch A-GPS und die neue Navigationssoftware Nokia Maps 2.0 steht das N96 auch als praktischer Lotse bereit. Neu ist dabei die praktische Fußgängernavigation, die dem Nutzer auch mal empfiehlt, entgegen der Fahrtrichtung durch eine Einbahnstraße zu laufen oder in den Bus zu steigen. Zum Autofahren können wir das Nokia N96 nur eingeschränkt empfehlen. Herkömmliche Navis sind einfach billiger und durch ihre großen Touchscreens einfach besser geeignet. Nokia Maps 2.0 informiert auch über das nächstgelegene Kino, Restaurant oder interessante Sehenswürdigkeiten. Die kann man dann mit der 5-Megapixel-Kamera fotografieren. Die Leuchtdioden dienen nicht nur als Ersatz für einen Blitz, sondern können auch beim Drehen von Videos mit einer Auflösung von 640x480 Bildpunkten als Dauerleuchte eingesetzt werden.

Fotos und Videos lassen sich gleich nach der Aufnahme übers Internet den Freunden zeigen. Dafür hat Nokia den Zugang zu seiner neuen Online-Plattform Ovi Share auf dem N96 vorinstalliert. Der neue Dienst wirbt mit einem unbegrenzten Ablagevolumen für digitale Daten. Wer aber seine Dateien lieber weiter zu Flickr oder Youtube hochladen möchte, kann das auch mit der Ovi-Software erledigen. Mit den Bildern werden immer auch die GPS-Daten gespeichert, damit man leicht den Ort wiederfindet, an dem sie aufgenommen wurden. Das ist besonders praktisch, wenn man ein Foto seines Urlaubshotels an der richtigen Stelle in Google Maps hinterlegen möchte, um damit spätere Touristen vor einer schmuddeligen Absteige zu warnen.

Wie lang der Navitelefontaschencomputer Nokia N96 mit seinen vielen Funktionen durchhält, das kann nur ein intensiver Test in der Redaktion von Areamobile.de zeigen. Nokia liefert ihn mit einem schwachbrüstigen Akku von 950 mAh aus. Das ist noch weniger als beim iPhone 3G, das in letzter Zeit die ganze schlechte Presse wegen kurzer Batterielaufzeiten einstecken musste. Im Nokia E71 bringen die Finnen 1.500 mAh unter, obwohl es ein kleineres Display hat und weniger Funktionen. Mit dem Nokia N96 kann man nach Herstellerangaben fünf Stunden Videos sehen oder 14 Stunden Musik hören, die reine Standbyzeit gibt Nokia mit acht Tagen an.

Das Nokia N96 war der absolute Hammer, als wir es vor sieben Monaten zum ersten Mal sehen durften. Doch die Entwicklung geht weiter. Wenn das Nokia N96 im Oktober endlich in die Läden kommt, dann gehört es zur oberen Qualitätsklasse, aber die Begeisterung ist weg. Das Samsung i8510 Innov8 bietet die gleichen Funktionen, aber der Akku ist stärker und das Gerät ist schlanker. Natürlich hat es keinen TV-Empfang, aber wozu brauchen wir DVB-H im Nokia N96, wenn sowieso niemand sendet? Die Leser von Areamobile.de bevorzugen das kostenlose DVB-T und lassen es uns immer wieder wissen, wenn sie Kommentare schreiben. Unsere Kaufempfehlung ist deshalb das Nokia N85. Es bietet dieselben wichtigen Funktionen wie das Nokia N96, aber der Akku ist 250 mAh stärker und das Gerät ist viel billiger. Im Oktober kommt es in Deutschland für 450 Euro in den Handel. top

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Kommentare
  1. 10.07.09 23:02 tonyyyyy (Gast)

    ja der ist sehr schon den muss ich haben auf jeden fall

  2. 21.05.09 22:03 Anonymous (Gast)

    schaut lieber chip online is viel besser. wegen areamobile hab ich ein blöds samsung omnia.

  3. 10.12.08 20:08 Anonymous (Gast)

    ich finde es immer wieder interessant wie menschen ein solches gerät schlecht reden können.

    Zu den "Nachteilen":
    für mich als lg viewty nutzer ist es völlig normal das handy jeden abend in die steckdose zu stecken.

    5 mp reichen völlig aus, für die leute die es hier immernoch nicht wissen es kommt nicht auf die mp anzahl an, was bringen einem 8 mp mit nem *****en chip?

    das design? perfekt, mehr fällt mir dazu nicht ein.

    und was ist am innov8 besser? das design, welches aussieht wie jedes andere samsung handy oder die kamera, hab ich bereits oben was zu gesagt.

    es ist fakt das das nokia eines der tophandys ist auf dem markt wenn nicht sogar das beste non touchscreen handy.

    mfg

  4. 19.11.08 16:17 Anonymous (Gast)

  5. 19.10.08 20:21 Chefdenker (Gast)

    Wisst ihr was? Vielleicht hat es Nokia auch gar nicht interessiert, ob die Deutschen DVB-H nutzen können oder nicht. Denn es gibt genügend andere Länder, die DVB-H auch in Zukunft nutzen können.

  6. 04.10.08 11:35 Htc-Nutzer (Gast)

    Mir ist an dieser Stelle trotz langer Diskussion noch nicht klar geworden , warum der interne Speicher von 8/16GB ein Problem nur dieses Handys sein sollte. Der Fairness halber sollte man dann erwähnen, dass mitlerweile eine ganze Reihe von Herstellern ihren Top-Geräten einen solchen Speicher spendieren(Samsung, HTC). Ausserdem sehe ich in der Größe des verbauten Speichers keinen Sicherheitsmangel. Warum sollten 8/16GB unsicherer sein als 500MB. Ja selbst 30MB Speicher können genügend Aufschluss über den Geräteinhaber geben, insofern relevante Daten nicht verschlüsselt werden. Ob Jemand Lust/Zeit hat einen solchen Speicher mit Bildern , Musik und/oder Videos zu befüllen ist kein Argument für oder gegen dieses Gerät.
    Auch die Abdeckung wird hier zu Unrecht bemängelt. Erstens, und das ist schon erwähnt worden, ist eine mechanische Abdeckung anfälliger als die hier verwendete, zweitens gibt es für diverse Displays und Uhrengläser eine Polierpaste.
    Ich weiß definitiv, dass das N95 8GB durch langes Drücken der Kamerataste die Kamerafunktion aus jedem Menupunkt/Programm heraus aufruft. Der mechanische Schieber leistet an dieser Stelle nicht mehr. Ich hatte leider keine Gelegenheit dies beim N96 zu überprüfen.
    An ein Gerät dieser Preisklasse werden naturgemäß höhere Anforderungen gestellt, als an ein Mittelklasse-Handy. Deshalb ist die Entscheidung, einen DVB-H Empfänger zu verbauen, falsch gewesen.
    Ansonsten ist und bleibt das N96 ein Top-Handy.
    Nicht jeder wünscht sich Windows-Mobile als Betriebssystem oder einen Touchscreen.

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