Die technischen Daten der KC910-Kamera übertreffen den ärgsten Konkurrenten Samsung M8800 Pixon sogar noch. 8-Megapixel-Linse von Schneider-Kreuznach, Xenonblitz, Bildstabilisator, ISO 1600, Autofokus, manueller Fokus, Beauty shot, Gesichtserkennung, Smile shot, Blinzelerkennung und Lichtoptimierung: bei einer solchen Technikflut weiß man gar nicht, was man zuerst testen soll.
Letztendlich ist aber egal, wie viel Technik in einem Gerät steckt, wichtiger ist das Ergebnis. Und das ist bei allen aktuellen 8-Megapixel-Handykameras sehr gut, auf den ersten Blick sind Unterschiede kaum erkennbar. Erst genauere Betrachtung und eingehende Untersuchungen der typischen Problemzonen von digitalen Aufnahmen zeigen, dass das Renoir bei Außenaufnahmen leicht hinter dem Pixon bleibt.
Der größte Unterschied betrifft die Bilddynamik. Bei Motiven mit starken Helligkeitsschwankungen und bei Gegenlichtaufnahmen wirken die Aufnahmen des Renoir nicht ganz so realistisch wie die Fotos, die mit mit dem Pixon geknipst wurden. Sie fallen zu dunkel aus, auch die Farben sind nicht so ausdrucksstark. Renoir-Fotos fransen bei klaren Trennlinien etwas stärker aus, generell ist das Ergebnis nicht ganz so scharf und der Detailgrad eine Nuance schwächer ausgeprägt. Insgesamt tritt auch Bildrauschen stärker auf. Kritik auf hohem Niveau, denn alle aktuellen 5-Megapixler kommen an die Aufnahmen des Renoir bei weitem nicht heran. Bei Innenraumaufnahmen mit und ohne Blitz sieht das Kräfteverhältnis zwischen Renoir und Pixon wieder anders aus. Was sich später bei den Nachtaufnahmen noch deutlicher zeigen wird, spielt auch hier schon eine Rolle: der Bildstabilisator des LG Renoir ist dem Samsung-Handy weit voraus. Unschärfe durch Bewegung wird beim Renoir besser vermieden, als beim Pixon.
Originalaufnahme LG KC910 Renoir | Foto: Areamobile.de
Das LG-Handy schafft daher recht scharfe Innenaufnahmen, die dank Lichtoptimierung und ISO 1600 gut ausgeleuchtet sind. Bildrauschen tritt dabei natürlich deutlicher als bei Außenaufnahmen auf, hält sich aber in Grenzen. Offensichtlich leistet die Software bei der Rauschunterdrückung gute Arbeit. Auch bei Blitzaufnahmen in völliger Dunkelheit liegt das Renoir vorn. Der Xenonblitz leuchtet die Szenerie besser aus, die Ergebnisse fallen dadurch einen Hauch schärfer aus. Dabei ist Bildrauschen allerdings stärker vertreten als beim Samsung Pixon, zusätzlich schwankt die Helligkeit des Xenonblitzes. Im Durchschnitt leuchtet er Motive bis 3,5 Meter gut aus.
Bei Nachtaufnahmen bietet sich ein zwiespältiges Bild. Das Samsung-Handy ist wesentlich lichtempfindlicher und produziert weniger Bildrauschen. Doch selbst wenn das Renoir vieles wortwörtlich im Dunklen lässt, fallen dessen Nachtaufnahmen dennoch viel schärfer aus. Beim Pixon wird der Fotograf oft mit verwackelten Bildern bestraft. Der Bildstabilisator des Renoir verhindert derartige Unschärfen effektiver. Bis der Autofokus auf ein Format scharf gestellt hat, vergeht mit knapp einer Sekunde etwas mehr Zeit, als beim Pixon. Während die Speicherzeit der Fotos beim Samsung-Handy allerdings stark zwischen 2 und 5 Sekunden schwankt, nimmt sich das LG Renoir konstant knappe 3 Sekunden Zeit.
Offenbar nutzt LG eine stärkere Komprimierung als Samsung: sind Fotos beim Pixon bis zu 3,2 Megabyte groß, so kommt ein LG-Foto nicht über 1,6 Megabyte hinaus. Für ambitionierte Fotografen bietet das Renoir zusätzlich einen manuellen und einen selektiven Fokus. Beim manuellen Fokus kann der Nutzer über einen Schieberegler die Tiefenschärfe regeln, beim selektiven Autofokus genügt ein Fingertipp auf die Stelle des Suchers, auf die das Gerät scharf stellen soll. Zahllose Software-Einstellungen unterstützen den Fotografen. Gesichts- und Lächelerkennung kennt man auch von den anderen 8-Megapixelhandys. Die Software erkennt dabei automatisch die Gesicher von Personen, wenn sie lächeln löst das Handy automatisch aus. Das LG KC910 Renoir unterbindet durch die Blinzelerkennung zusätzlich Fotos, bei denen Menschen die Augen geschlossen haben. Ein Novum stellt der Beauty shot dar, bei der per Software Hautunebenheiten ausgeglichen werden. Photoshop wird dadurch für Portraitaufnahmen überflüssig, allerdings erhalten menschliche Gesichter ein etwas puppenhaftes Aussehen.
Unschöne Geisterbilder und Belichtungsprobleme im Panoramamodus des Renoir | Foto: Areamobile.de
Bei der Serienaufnahme, die 7 Bilder in etwa 1,5 Sekunden knippst, darf man sich anschließend das Beste aussuchen und speichern. Will man alle Aufnahmen behalten, müssen sie allerdings umständlich einzeln gespeichert werden. Die Panoramafunktion setzt 3 Fotos zu einer Breitbildaufnahme zusammen. In der Praxis klappt das selten, Samsung liefert mit seiner automatischen Software weitaus bessere Ergebnisse. Dafür haben die LG-Panoramen insgesamt 8, die von Samsung nur 3,2 Megapixel. Zusätzlich bietet das Renoir diverse Motivprogramme, die auch andere Hersteller nutzen. Geotagging bietet das Renoir ebenso wie einen Makromodus, der allerdings nicht ganz an den des Pixon herankommt.
Der Videomodus bleibt mit der maximalen Auflösung von 640x480 Bildpunkten knapp hinter dem Pixon zurück, das Breitbildvideos im Format 720x480 bei flüssigen 30 Frames drehen kann. Auch das Renoir bietet bewegte Breitbildaufnahmen an, dann allerdings in der maximalen Auflösung von 640x384 Pixeln. Bei Videoaufnahmen überzeugt erneut der bessere Bildstabilisator, denn die Aufnahmen sind weniger wackelig als die des Pixon. Zusätzlich nimmt das LG-Handy mit 120 Bildern pro Sekunde auf. Im Gegensatz zum Pixon können die Zeitlupenaufnahmen nicht nur auf dem Handy, sondern auch am PC oder dank des TV-Ausgangs auf dem Fernseher genossen werden. Als weiteres Gimmick bietet das Renoir Zeitrafferaufnahmen. Beide Videoformen funktionieren allerdings ausschließlich bei einer Auflösung von 320x240 Bildpunkten.
Die Bildergalerie sieht fast genauso aus wie auf dem Pixon. In der Hauptansicht zeigt das Renoir 15 Thumbnails, die Fotos und Videos symbolisieren. Durch Antippen der Minibildchen werden sie auf das ganze Display vergrößert. Dort können sie flüssig mit dem Finger weitergeblättert werden. Zoom oder weitere Funktionen werden nicht durch Gesten aktiviert, sondern nur über virtuelle Buttons, die nach einem weitern Fingertipp eingeblendet werden.
Insgesamt liefert das Renoir eine sehr ordentliche Vorstellung in Sachen Fotografie ab. Bei Außenaufnahmen am Tage kommt es zwar nicht an das Pixon heran und auch bei Nachtaufnahmen ohne Blitz gerät es ins Hintertreffen, punktet aber durch den guten Bildstabilisator bei Innen- und Blitzaufnahmen. Auch der Videomodus schneidet trotz geringfügig niedrigerer Auflösung durch die bessere Zeitlupenfunktion und die zusätzliche Zeitrafferfunktion etwas besser ab.
Die knappen 50 Megabyte interner Speicher reichen natürlich nicht zum Musikhören aus. Aus diesem Grund legt LG beim Renoir gleich noch eine 4 Gigabyte fassende microSD-Karte mit in den Lieferkarton. Das reicht abhängig von der Qualität und Länge der Songs locker für 800 Musiktitel. Wer die durchhören möchte, sollte sich schon mal Urlaub nehmen, denn das entspricht etwa 40-50 Stunden Musik nonstop.
Auf die Spitze getrieben kommt man im AAC-Format gar auf 4000 Songs oder 200-250 Stunden Musik. Spätestens dann sollte man sich aber in ständiger Reichweite zur Steckdose aufhalten, denn nach wenigen Stunden Musik geht dem KC910 der Saft aus. Fast genauso viel Zeit wie beim Abspielen der Musikstücke vergeht beim Übertragen der Musik auf das Handy. Für 30 Megabyte Musik braucht das Renoir mit Hilfe des eigentlich schnellen Windows Media Player geschlagene 1 Minute und 20 Sekunden. Hat man diese Hürde einmal übersprungen, landet man in der Musikbibliothek. Dort lässt die spärliche Auswahl nach Künstler, Alben und Genres nichts Gutes erahnen. Wie beim Samsung M8800 Pixon gibt der Player optisch nicht viel her, punktet aber mit der überwiegend fingerfreundlichen Bedienung. Mittig wird das Coverart dargestellt, darüber befinden sich virtuelle Buttons für Repeat- und Shufflefunktion, zusätzlich kann die Lautstärke über den Touchscreen geregelt werden.
Ebenfalls über dem Coverart befindet sich der Auswahlbutton für die Dolby-Mobile-Funktion. Sie soll auch auf herkömmlichen Stereolautsprechern Raumklang erzeugen; eine Funktion, die bislang kein Hersteller zufriedenstellend gelöst hat. Doch LG geht es bei Dolby-Mobile nicht um Surround-Sound, sondern um ein volleres Klangbild, das unter anderem durch die Anhebung der Bassfrequenzen erreicht wird. Leider ist das die einzige Möglichkeit, den Klang zu verändern. Dem Renoir fehlt ein Equalizer. Dass der Sound des Players dennoch gut ist, verdankt er vor allem dem hervorragend auf das Handy abgestimmten Stereoheadset. Die In-Ear-Kopfhörer produzieren richtig positioniert einen ausgewogenen, basslastigen Sound, dem allerdings die Brillanz der Sony Ericsson-Walkmanphones wie dem W902 fehlt. Der Wechsel auf andere Kopfhörer funktioniert einfach wegen des beiliegenden Adapters. Zur Not lässt sich Bluetooth samt A2DP nutzen. Es lohnt sich aber kaum, andere Kopfhörer anzuschließen. Selbst mit Highend-Kopfhörern von Sennheiser klingen normale MP3-Songs wegen der Komprimierung nicht viel besser als mit den Originalstöpseln. Das UKW-Radio bietet nur wenige Funktionen. Punkten kann es lediglich mit stattlichen 50 Speicherplätzen, die nicht nur für die Lieblingssender Platz bieten. Wie schon der Vorgänger, das LG KU990 Viewty, kann das Renoir Filme im DivX-Format abspielen und dank TV-Ausgang auf andere Geräte übertragen.
Hallo ein paar Anmerkungen zu den Flops.
1)das Design ist sehr schön.Hier wird die Meinung des Redakteurs breitgetreten.
2)GPS mit Skobbler und Amzegps als vollwertige Navigation nutzbar- also kein Minuspunkt! Bei den Symbian und Windows Geräten muß mann auch 50- 100 Euro für die Software ausgeben!
3)Opera mini installieren möglich, dadurch TOP Internet ( wie bei Windows Mobile und Symbian)
4)viertuelle Tastatur generell bei vielen Handys zu klein - kein wirklicher Kritikpunkt .
Diese Handy ist TOP und sehr zu empfehlen, bei einem Neupreis ca.250 Euro